Fiveland heimtückisch verraten
Fiveland heimtückisch verraten
Während Öymoen sich in Farsund aufhielt, betrieb er eine gefährliche, verschwörerische Wirksamkeit. Seine Absicht war, illegale Aktivitäten zu enthüllen. Er mietete sich ein Zimmer. Mit sich hatte er ein Radiogerät. Dies lieh er dem jungen Farsundmann, Alf Mardon Fiveland, aus. Ohne es zu ahnen, wurde er damit in ein gefährliches Spiel verwickelt.
Torleiv Öymoen erzählte, dass er den Radioapparat in Kristiansand im „Arkivet" gestohlen hatte. Dass es ihm wirklich gelungen war, so eine strahlend mutige Tat zu vollbringen, führte dazu, dass er nahezu als Held betrachtet wurde. Öymoen verkündete in Verbindung mit dem Diebstahl des Radioapparates auch, dass es seine Absicht war, Nachrichten aus London zu hören. Die interessantesten Kriegsmeldungen sollten in einer illegalen Zeitung, die er gründen wollte, gedruckt werden. Sie sollte „Latest News" heissen.
Obgleich es in Widerstandskreisen nicht üblich war, von eigener illegaler Tätigkeit zu reden, liess Öymoen es durchscheinen, dass er in Kristiansand als aktiver Nachrichtenmann gearbeitet hatte. Er hätte u.a. die gewaltigen Kanonen der Festung Mövik fotografiert.
Als Fiveland den Radioapparat übernahm, bekam er den Auftrag, eine permanente Abhörwache des BBC zu etablieren, die Nachrichten niederzuschreiben und die Notizen an Öymoen zu übergeben. Nach einer Weile begann Fiveland als Mitarbeiter der illegalen Zeitung. Der junge Nachrichtenmann arbeitete in gutem Glauben. Ohne sich abzusichern, führte er diesen Auftrag aus. Eines Tages kam Öymoen mit einem Armvoll der Erstausgabe dieser illegalen Zeitung. Er bat Fiveland für die Verteilung einiger Exemplare zu sorgen. Den Rest wollte Öymoen selbst verteilen.[1]
Trotz all der Angeberei nahm Fiveland Öymoen doch nicht ganz ernst. Auch gab es zwischen ihnen im Laufe des nächsten halben Jahres keinen Kontakt mehr.[2]
Die Nachrichtengruppe des Widerstandes in Farsund benutzte Fiveland oft als Kurier. Dies ergab sich daraus, dass er Schüler des Handelsgymnasiums in Kristiansand war. Eines Tages ging das Radio kaputt. Fiveland und ein Kamerad nahmen den Hinterdeckel ab, um es zu reparieren. Da fanden sie einen Zettel mit dem Text: „Eigentum der Sicherheitspolizei".
Fiveland schöpfte sofort Verdacht, dass mit Öymoen nicht alles ganz in Ordnung war. Umgehend machte er Meldung über seinen Verdacht an Georg Ingolf Mejländer, seinem Kontaktmann bei der Mil.Org. Mejländer erwiderte, dass er vor kurzer Zeit von anderer Stelle vor Öymoen gewarnt worden war.
Nach dieser gruseligen Entdeckung hatte Fiveland bis 1944 keinen Kontakt mehr zu Öymoen. Zu diesem Zeitpunkt erwog Fiveland den Plan, nach Schweden zu flüchten. Dies bekam Öymoen zu Ohren als Fivelands Schwager ihn besuchte und ihn bat, falsche Pässe zu besorgen. Öymoen versprach, die Dokumente zu beschaffen. In Wirklichkeit aber verriet er den möglichen Flüchtling an die deutsche Sicherheitspolizei.
Des Verräters „heldenmutiger Einsatz"
Am 9. Februar 1944 wurde Alf Mardon Fiveland auf seiner Studentenbude in Kjöyta in Kristiansand von den Gestapoleuten SS-Oberscharführer Max Fritz Ulitzka, SS-Unterscharführer Heinrich Willführ und dem norwegischen Staatspolizisten Ole Wehus verhaftet.[3] Die Verhaftung kam zustande aufgrund des „heldenmutigen Einsatzes" des Verräters Torleiv Öymoen. Bei der Ankunft im Arkivet musste Fiveland im Korridor mit dem Gesicht zur Wand stehenbleiben. Gleich danach wurde sein Name aufgerufen. Er wurde zu einer dunklen Zelle in der Unteretage geführt und dort brutal hineingestossen.
Zehn Minuten später kamen zwei Wärter und holten ihn. Fiveland glaubte, dass er verhört werden sollte. Ihm wurden aber nur Handschellen angelegt. Im Büro wurde ihm befohlen, sich auf dem Bauch mit gespreizten Armen und Beinen über einen Speisetischstuhl zu legen. Danach stellte Wehus sich mit beiden Beinen auf die Handschellen, so dass Fiveland sich nicht bewegen konnte.
Jetzt begannen die Gestaposchergen SS-Sturmscharführer Hans Lipicki und SS-Oberscharführer Willy Drömer vom Rücken an und abwärts einschliesslich Oberschenkel auf ihn loszuschlagen. Eine Gummimatte wurde ihm übers Gesicht gehalten. Lipicki benutzte eine 70 cm lange Peitsche, die mit einer Seidenkordel umwickelt war. Das war sein Spezialfoltergerät. Drömer schlug mit einem gewöhnlichen Gummiknüppel. Die Folter dauerte eine viertel Stunde.
Danach wurde Fiveland in die Zelle gesteckt, ohne dass man ihn irgendetwas fragte.
Fiveland verstand, dass es sich hierbei nur um eine Auflockerungsrunde handelte, um ihm klar zu machen, dass es galt, alles zu gestehen.
Eine Stunde später wurde er wieder ins Büro von Lipicki gebracht. Lipicki erklärte ihm, dass „es sich jetzt zeigen würde, ob er alles erzählen wolle, oder ob wir es aus Ihnen herauspressen müssen. Wir haben Beweise dafür, dass Sie illegale Arbeit betreiben."[4] Fiveland wurde danach ohne Verhör wieder in die Zelle gebracht.
Unaufhörliche Tortur
Nach einer Weile wurde er zum dritten Mal zu Lipicki hinauf gebracht. Der Gestapomann empfing ihn mit folgender Bemerkung: - Jetzt haben Sie ja Zeit genug gehabt nachzudenken, so dass Sie geradeheraus eingestehen können. Fiveland antwortete, dass er nichts zu erzählen hätte.
Mit einer viel sagenden Gebärde öffnete Lipicki daraufhin einen Schrank, der eine Reihe von Folterwerkzeugen enthielt. So rief er zwei Mann herein. Dies waren Heinze und Drömer. Die sollten damit behilflich sein, ihm einen ordentlichen Umgang Prügel zu verabreichen. Fiveland wurde nochmals gefragt, ob er etwas auszusagen hätte. Aber immer noch verblieb er stumm.
Danach wurde er über den gleichen Stuhl gelegt wie beim ersten Mal. Lipicki begann mit der Folter, in dem er sich auf die Handschellen stellte. Als die beiden Gestapoleute vom Prügeln erschöpft waren, wurden sie durch zwei neue ersetzt. Lipicki nahm die ganze Zeit daran teil. Etwas später am Tage wiederholten die Gestapoleute die gleiche Behandlung. Fiveland wurde über zwei Stühle gelegt und mit Gummiknüppeln geschlagen.
Die ganze Zeit hatte Fiveland Handschellen an und auf diesen stand Lipicki zwischen durch. Der Schmerz war unerträglich. Ab und zu hielten die Gestapoleute auf zu schlagen. Sie fragten Fiveland dann, ob er etwas einzugestehen hätte. Trotz dieser extrem harten Behandlung, der er ausgesetzt war, gelang es ihm zu schweigen.
Fiveland wurde die ganze Zeit hindurch systematisch geprügelt. Die hämmernden Schläge führten dazu, dass die Haut aufriss, was grosse Schmerzen beim Opfer verursachte. In gleichmässigen Abständen hielten sie mit dem Schlagen auf und fragten ihn, ob er etwas zuzugeben hätte. Aber weil er seinen Peinigern immer noch nichts zu erzählen hatte, wurde das Prügeln fortgesetzt.
Sackte leblos zu Boden
Nach dieser Behandlung wurde er mit dem Rücken zur Wand gestellt und musste Kniebeugen mit ausgestreckten Armen machen; immer noch in Handschellen. Wurden die Kniebeugen nicht schnell genug ausgeführt, wurde er mit der Peitsche geschlagen. Nach einiger Zeit war Fiveland zu schwach weitere Kniebeugen zu machen. Dann musste er mit geraden Beinen mit dem Oberkörper nach vorne gebeugt stehen, so dass der Kopf beinahe die Knie berührte. Zum Schluss verlor er das Gefühl und die Kontrolle über die Beine, und sie brachen unter ihm zusammen. Das führte dazu, dass er wie leblos auf dem Fussboden zusammensackte. Sofort sprangen Lipicki und Drömer auf und traten ihn in Gesicht, Rücken und Brust. - Dadurch bekamen sie mich wieder hoch, berichtet Fiveland.
Und wieder musste er mit Kniebeugen anfangen. Als er eine gute Weile damit fortgesetzt hatte, erhielt er wieder einen brutalen Umgang Prügel, wie er sie schon vorher erhalten hatte. Danach wurde er in die Zelle zurückgebracht. Drömer, der ihn führte, schlug auf dem Weg nach unten mit der Peitsche auf ihn ein. Bevor er in die Zelle gestossen wurde, wurden ihm die Arme mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Fiveland nahm an, dass es, als er wieder in die Zelle kam, ungefähr neun Uhr abends war. Da hatten die Gestapoleute ihn also neun Stunden lang gefoltert.
Drömer gab dem Wachmann den Befehl, dass Fiveland auf dem Magen liegen sollte. Er sollte nichts anderes als Wasser und Brot bekommen.
Schon am Nachmittag des nächsten Tages war er wieder oben und erhielt erneut einen Umgang mit Schlägen.
Vollständig erschöpft am Boden
Am dritten Tag um sechs Uhr morgens wurde er - ohne etwas zu essen bekommen zu haben - wieder ins Büro von Lipicki gebracht. Ole Wehus war auch zugegen. Jetzt begann die Folterung erst richtig. Die beiden Gestapoknechte lösten einander beim Schlagen des Farsundmannes ab. Lipicki leitete die Folter damit ein, dass er den wehrlosen Gefangenen mit der flachen Hand ins Gesicht und auf die Ohren schlug.[5]
Das Verhören des Gefangenen wurde jetzt Wehus überlassen. Mit gewohnter Brutalität schlug er Fiveland mit der Faust ins Gesicht bevor die üblichen Foltergeräte hervorgeholt wurden. Danach wurde er über einen Stuhl gelegt und so geschlagen wie am Tage zuvor. So ging es wechselweise den ganzen Tag lang mit Schlägen auf dem Stuhl und mit Kniebeugen. Nach einiger Zeit war Fiveland so ermattet, dass er völlig erschöpft auf den Fussboden niedersank.
Um 12 Uhr war eine kleine Pause eingelegt. Er durfte dann unten in der Zelle zwei Brotscheiben und einen Krug Wasser zu sich nehmen. Danach wurde die Folter bis 18 Uhr fortgesetzt. Wieder bekam er zwei Scheiben Brot und etwas Wasser. Danach wurde Fiveland ununterbrochen bis 10 Uhr abends geschlagen und hartem Exerzieren unterworfen. Die Gestapoleute Glomb und Drömer lösten Lipicki und Wehus ab, wenn diese erschöpft waren. Von einem Verhör war keine Rede. Das Einzige, das sie fragten war, ob er etwas zuzugeben hätte. Da er nichts zu erklären hatte, setzten sie ihre Misshandlung fort. - An dem Tag wurde ich nicht bewusstlos, berichtet Fiveland.
Die Folter wurde von Tag zu Tag härter.
„Ach armer Freund"
Am vierten Tag begann die Folterung morgens halb sieben. Die Vorstellung war genau gleich der letzten. Auch die Folterknechte waren die gleichen. Das einzig Neue war, dass Kerner um elf Uhr hereinkam. Fiveland stand da an der Wand und machte Kniebeugen. „Ach armer Freund", rief Kerner mit geheucheltem Mitgefühl, als er den Raum betrat. Als ein Beweis seines „Mitgefühls" gab er dem Opfer einen Tritt in den Hintern. Danach forderte der Sipo-Chef mehrere seiner Untergebenen im Arkivet auf, den Widerstand des Gefangenen zu brechen.
Alle Gestapoleute, die sich im Arkivet befanden, mussten jetzt - auf Kommando - der Reihe nach dem Farsundmann einen Tritt in den Hintern geben, während der mit dem Gesicht zur Wand stand. Danach wurde Fiveland erneut über den Stuhl geworfen und wieder kräftig mit Knüppeln geschlagen. Noch einmal musste er das gleiche Folterprogramm über sich ergehen lassen. Erst um zehn Uhr abends wurde er wieder in seine Zelle gesteckt. Da bekam er die Erlaubnis, sechs Scheiben Brot mit Wasser zu verzehren.
Auch an diesem Tag hatte er kein einziges Wort über seine illegale Arbeit preisgegeben.
Am fünften Tag, einem Sonntag, wurde er um zehn Uhr heraufgeholt. Nur die beiden Folterknechte Lipicki und Heinze waren zur Stelle. Der Stuhl stand mitten im Raum. Lipicki machte eine Bewegung mit der Hand, die bedeutete, dass Fiveland sich mit dem Magen über den Stuhl legen sollte. An diesem Tag schwor sich Fiveland, Widerstand zu leisten. Dies geschah auf diese Weise:
„Ich ging hin zum Stuhl, um mich hinzulegen. Im letzten Augenblick entschloss ich mich anders und richtete mich auf. Lipicki sprang da auf meinen Rücken und wollte mich auf den Stuhl herunterpressen. Dies gelang ihm nicht, und ich machte einige Schritte in den Raum hinein, während Lipicki auf meinem Rücken hing.
Lipicki versuchte unentwegt mir ein Bein zu stellen, aber er war dünn und schwach und brachte es nicht fertig, mich zu Boden zu drücken. Heinze sass nur da und sah zu, ohne einzugreifen. Lipicki rief Heinze zu, dass er zusätzlich vier Mann holen solle. Dann sollte es ihnen schon gelingen, mich runter zu bekommen. So wurde ich wieder auf die Zelle gebracht."
Um drei Uhr nachmittags am selben Tag wurde Fiveland zu einem neuen Verhör heraufgeholt. Heinze hatte sechs Mann herbeigeschafft, so dass die Gestapomeute jetzt aus acht Mann bestand, nämlich Lipicki, Heinze, Wehus, Drömer, Glomb, Petersen, Kerner und wahrscheinlich Willführ. Die Gestapoleute versuchten zuerst ihm Handschellen an den Fussgelenken anzulegen, was aber missglückte. Sie schnürten dann aber ein Tauwerk von den Füssen bis hoch zu den Knien zusammen und legten Fiveland danach über einen Stuhl mit Armlehnen. Diese waren aber so weit auseinander, dass er die eine Armlehne in seine Leistengegend bekam. Die andere drückte kräftig auf seine Brust - nahezu oben am Hals.
Als Knebel benutzten sie eines der Taschentücher von Fiveland. Zusätzlich hielt einer der Gestapoknechte eine Gummimatte über seinen Mund.
Mit 110 Kilo auf dem Rücken
Während er in dieser festgeklemmten Stellung verharren musste, sprang Ole Wehus hoch und placierte sich auf dem Rücken des bemitleidenswerten Gefangenen. - Ein ganz schön harter Druck, denn Wehus wog 110 kg, berichtete Fiveland. Gleichzeitig wurde eine Wadenklemme um das eine Bein herum fest angeschraubt. Danach begannen zwei Mann mit aller Macht mit Gummiknüppeln auf ihn loszuschlagen. Während dieser Misshandlung sass Wehus auf dem Rücken des hilflosen Opfers und hoppste, um die Qual zu verstärken, hoch und runter. Zum Schluss brach der Stuhl zusammen und ging kaputt. Fiveland verlor das Bewusstsein, wahrscheinlich weil er beim Fall auf den Fussboden Wehus über sich bekommen hatte.
Als Fiveland wieder zu sich kam, standen die Gestapoleute in einem Ring um ihn herum; jeder mit einer Pistole in der Hand. Lipicki stand da und liebkoste seine Pistole. Dann sagte er zu Fiveland: „Dies kommt Ihnen wohl ein bisschen komisch vor." Fiveland bemerkte, dass einer der Gestapoleute sich an den Hinterkopf hielt, und dass ein anderer Nasenbluten hatte.
Einer der Gestapoleute band ihn am Schreibtisch fest. Danach begannen sie, ihm über den ganzen Körper mit Fusstritten zu peinigen. Fiveland gestand in seiner Polizeierklärung nach dem Krieg, dass er von alle dem nicht so viel verspürt hatte, denn er hatte wieder mal das Bewusstsein verloren und spürte nicht, was sie mit ihm machten. Später erinnerte er sich, dass sie ihn vom Schreibtisch losbanden. Ole Wehus führte ihn in die Zelle zurück. Auf dem Weg nach unten trafen sie einen Gestapomann. Dieser fragte Wehus, ob der Gefangene Prügel bekommen hätte. Wehus antwortete bejahend. Der Gestapomann sagte da, „davon müsste er noch mehr bekommen."
Bis jetzt hatten die Gestapoleute nur eine Frage gestellt: - „Was zu erzählen, Fiveland?" Diese Frage wurde nach jeder Misshandlung wiederholt.
Wieherte vor Lachen, wenn er umfiel
Am sechsten Tag begannen die Misshandlungen um 6 Uhr 30. Lipicki, Wehus, Kerner und Drömer nahmen teil. Die Behandlung war die gleiche wie am Tag zuvor, abgesehen davon, dass der Schraubstock nicht zur Anwendung kam. Ole Wehus wurde wegen seines grossen Gewichts während der Misshandlung wiederum dazu benutzt, auf dem Rücken des Opfers zu sitzen. Fiveland bekam mitten am Tag die Erlaubnis, in der Zelle zwei Scheiben Brot zu essen. So wurde er wieder hoch geholt für noch eine Behandlung.
Lipicki und Kerner fingen an zu fragen, wo er sich an einem bestimmten Zeitpunkt Ende September 1943 aufgehalten hatte. Gleichzeitig machten sie darauf aufmerksam, dass sie sichere Beweise hätten, dass er an illegaler Arbeit beteiligt gewesen war. Sie wüssten nämlich genau, an was wie einer Art Arbeit er beteiligt gewesen war. Sie fragten auch danach, an welcher Organisation er beteiligt war.
An diesem Tag wurde Fiveland ausserdem getreten nachdem er in Ohnmacht gefallen war. Zwischendurch erhielt er auch Schläge direkt ins Gesicht. Zusätzlich zerrten die Gestapoleute ihm an den Haaren. Sie wieherten vor Lachen, wenn er während der Folter umfiel.
Die Folterungen wurden erst spät abends abgeschlossen.
Am siebten Tag liessen sie ihn bis acht Uhr morgens in Ruhe. Da kam Wehus und holte ihn. Den ganzen Tag lang wechselten sie zwischen Verhör, Kniebeugen und Prügel. Er entging immerhin den „Schwergewichtler" Wehus auf seinem Rücken während der Misshandlungen. Kerner schlug ihn mit der Peitsche von Lipicki über den ganzen Körper, in die Genitalgegend und über den Nacken. Drömer versetzte ihm sogar Tritte in den Genitalbereich.
Die Misshandlung hörte erst gegen zehn Uhr abends auf.
Würde keine weiteren acht Tage überleben
Der achte Tag war ziemlich gleich dem siebten. Die einzige Veränderung war, dass er diesmal sowohl Hände als auch Beine hinter dem Rücken gefesselt bekam, so dass er auf dem Bauch liegend wie ein Schaukelpferd hin und her wippen konnte. Wehus und Drömer trugen ihn runter in die Zelle und liessen ihn wie einen Sack zu Boden fallen. Er war immer noch gefesselt. In dieser qualvollen Stellung blieb er die ganze Nacht über liegen. Seine Wasser- und Brotration bekam er nicht.
Am neunten Tag wurde er um halb sieben von Drömer geholt. Da musste er zusehen, wie die Gestapoleute Frühstück assen. So liessen sie ihn bis acht Uhr abends in Ruhe. Den ganzen Tag über musste er im Büro von Gestapomann Ulitzka stehen. Um acht Uhr erschien Wehus in dem Büro. Er war in Folge mit Kerner, Lipicki, Glomb und Drömer. Kerner sagte zu Fiveland, dass wenn er nicht sofort mit einem Geständnis aufwarte, würde er keine weiteren acht Tage überleben.
So viel Schläge würde er nämlich bekommen.
In den folgenden Stunden wurde Fiveland genauso brutal gefoltert wie an den Tagen zuvor. Danach wurde er in die Zelle zurückgebracht. Nach einer Weile wurde er wieder rausgeholt. Da fragten sie ihn, wo er an einem bestimmten Abend gewesen war. Da es wieder nicht gelang etwas aus ihm herauszubekommen, wurde er erneut misshandelt. Erst weit über Mitternacht hinaus wurden seine Arme und Beine zusammengebunden. Wieder waren es Wehus und Drömer, die ihn in die Zelle zurückbrachten. Auf gleiche Weise wie vorher liessen sie ihn aus drei viertel Meter Höhe auf den Zellenboden fallen.
Missglückter Selbstmordversuch
Am zehnten Tag begannen die Misshandlungen auch morgens um halb sieben. An diesem Tage war Wehus mit von der Partie. Nachdem Fiveland bewusstlos geschlagen worden war, wurde er getreten, um ihn wieder auf die Beine zu kriegen. Er hatte aber keine Kraft mehr, sich zu erheben. Seine Beine wurden daraufhin auf dem Rücken gefesselt, und er wurde zum Schreibtisch hin geschleudert.
Jetzt banden die Gestaposchergen seinen Kopf an einem Bein des Schreibtisches fest während sein Körper auf die andere Seite hinübergedrückt wurde. Dies verursachte einen fürchterlichen Druck auf die Halswirbel. Es war ein Wunder, dass sie nicht brachen. Danach wurde mit Knüppeln auf seine Fussohlen geschlagen, nachdem sie ihm die Schuhe abgestreift hatten.
Als Abschluss der grausamen Peinigungen schlugen sie Fiveland auf die Innenseiten der Oberschenkel und in den Genitalbereich; gleichzeitig benutzten sie den Schraubstock. Nach dieser Behandlung stellten sie ihn gegen die Wand. Jetzt versuchte er sich das Leben zu nehmen, in dem er sich mit dem Kopf nach vorn auf den Fussboden stürzte. Dieser Selbstmordversuch gelang nicht. Nachdem sie ihn wieder auf die Beine bekommen hatten, versuchte er erneut, sich das Leben zu nehmen; auch diesmal vergeblich.
Ein neues Foltergerät wurde jetzt angewendet: Es war eine Peitsche mit Bleikugeln am Ende. Fiveland war die meiste der Zeit bewusstlos. Jetzt war es ihm egal, was sie mit ihm machten. Erst spät abends hörten die Misshandlungen auf. Auch diese Nacht musste er mit Händen und Füssen auf dem Rücken zusammengebunden verbringen.
Der elfte Tag war gleich dem zehnten. Auch an diesem Tag versuchte er mehrere Male, sich das Leben zu nehmen. Es waren die gleichen Henker, die ihn misshandelten. In der Nacht blieb ihm erspart, mit den Beinen gebunden zu liegen. Die Arme waren aber die ganze Zeit über auf dem Rücken gefesselt. Am Tage danach, am zwölften Tag der Folter, war Sonntag.
An diesem Tag wurde Fiveland nicht misshandelt.
Die Fingerspitzen zerquetschen
Am dreizehnten Tag geschah erstmal wenig. Aber als Kerner Lipicki ansprach, um den Gefangenen mal wieder heran zu nehmen, sprang Wehus auf und schlug vor, dass sie Fiveland lieber zwingen sollten, seine Hände auf den Tisch zu legen, „um seine Fingerspitzen zerquetschen zu können."
Lipicki protestierte dagegen, dass Fiveland mehr gefoltert werden sollte, und Kerner gab nach. Danach blieb Fiveland verschont, abgesehen davon, dass er immer noch hart liegen musste, und die Arme weiterhin auf dem Rücken gefesselt waren. Kurze Zeit später wurde Fiveland ins Kristiansand Kreisgefängnis überstellt. Dort bekam er Diphtherie und wurde ins Kristiansand Stadtkrankenhaus überführt. Von dort aus gelang es ihm zu flüchten.
Quelle: | Taraldsen, Kristen: Arkivet - Hochburg der Tortur, |
Originaltitel: | ARKIVET - torturens höyborg - ISBN 82-993723-4-8 |
© | Stiftelsen Arkivet, Kristiansand S. - 2003 |
| Deutsche Übersetzung: Peter L. K. Praefcke (PP) |

