Stifelsen Arkivet

Senter for historieformidling og fredsbygging

Hovedside

Fiveland heimtückisch verraten

mardon_fivelandFiveland heimtückisch verraten

Während Öymoen sich in Farsund aufhielt, betrieb er eine gefähr­liche, ver­schwö­re­ri­sche Wirk­sam­keit. Seine Absicht war, illegale Aktivi­täten zu enthüllen. Er mietete sich ein Zim­mer. Mit sich hatte er ein Radio­gerät. Dies lieh er dem jungen Farsund­­mann, Alf Mardon Fiveland, aus. Ohne es zu ahnen, wurde er damit in ein gefähr­liches Spiel ver­wickelt.

Torleiv Öymoen erzählte, dass er den Radio­appa­rat in Kristian­sand im „Arkivet" ge­stoh­len hatte. Dass es ihm wirklich gelun­gen war, so eine strah­lend mutige Tat zu voll­brin­gen, führte dazu, dass er nahe­zu als Held be­trach­tet wurde. Öymoen ver­kün­dete in Ver­bin­dung mit dem Dieb­stahl des Radio­appa­rates auch, dass es seine Absicht war, Nach­rich­ten aus London zu hören. Die inter­essan­testen Kriegs­mel­dun­gen sollten in einer ille­ga­len Zei­tung, die er grün­den wollte, gedruckt werden. Sie sollte „Latest News" heissen.

Ob­gleich es in Wider­stands­krei­sen nicht üblich war, von eigener ille­galer Tätig­keit zu re­den, liess Öymoen es durch­scheinen, dass er in Kristian­sand als ak­tiver Nach­rich­ten­mann gear­bei­tet hatte. Er hätte u.a. die gewal­tigen Kano­nen der Festung Mövik foto­gra­fiert.

Als Fiveland den Radio­appa­rat übernahm, bekam er den Auf­trag, eine per­ma­nen­te Ab­hör­wa­che des BBC zu eta­blieren, die Nach­richten niederzu­schrei­ben und die No­ti­zen an Öymoen zu über­geben. Nach einer Weile begann Fiveland als Mitarbeiter der illegalen Zeitung. Der junge Nachrichtenmann arbeitete in gutem Glauben. Ohne sich ab­zu­si­chern, führte er diesen Auftrag aus. Eines Tages kam Öymoen mit einem Armvoll der Erst­aus­ga­be dieser illegalen Zeitung. Er bat Fiveland für die Verteilung einiger Exem­pla­re zu sorgen. Den Rest wollte Öymoen selbst verteilen.[1]

Trotz all der Ange­berei nahm Fiveland Öymoen doch nicht ganz ernst. Auch gab es zwi­schen ihnen im Laufe des nächsten halben Jahres keinen Kontakt mehr.[2]

Die Nachrichtengruppe des Widerstandes in Farsund benutzte Fiveland oft als Kurier. Dies ergab sich daraus, dass er Schüler des Handelsgymnasiums in Kristiansand war. Eines Tages ging das Radio kaputt. Fiveland und ein Kamerad nahmen den Hinter­deckel ab, um es zu reparieren. Da fanden sie einen Zettel mit dem Text: „Eigentum der Sicherheitspolizei".

Fiveland schöpfte sofort Verdacht, dass mit Öymoen nicht alles ganz in Ordnung war. Um­gehend machte er Meldung über seinen Verdacht an Georg Ingolf Mejländer, seinem Kontaktmann bei der Mil.Org. Mejländer erwiderte, dass er vor kurzer Zeit von anderer Stelle vor Öymoen gewarnt worden war.

Nach dieser gruse­ligen Ent­deckung hatte Fiveland bis 1944 keinen Kon­takt mehr zu Öymoen. Zu die­sem Zeit­punkt er­wog Fiveland den Plan, nach Schwe­den zu flüch­ten. Dies be­kam Öymoen zu Ohren als Fivelands Schwa­ger ihn be­such­te und ihn bat, fal­sche Päs­se zu besor­gen. Öymoen ver­sprach, die Dokumente zu beschaffen. In Wirk­lich­keit aber ver­riet er den mög­lichen Flücht­ling an die deut­sche Si­cher­heits­poli­zei.

Des Verräters „heldenmutiger Einsatz"

Am 9. Februar 1944 wurde Alf Mardon Fiveland auf seiner Stu­den­ten­bu­de in Kjöy­ta in Kristian­sand von den Gestapo­leuten SS-Ober­schar­führer Max Fritz Ulitzka, SS-Unter­schar­führer Heinrich Willführ und dem nor­we­gi­schen Staats­poli­zisten Ole Wehus ver­haftet.[3] Die Ver­haf­tung kam zustande aufgrund des „helden­mu­ti­gen Ein­satzes" des Ver­rä­ters Torleiv Öymoen. Bei der An­kunft im Arkivet musste Fiveland im Kor­ridor mit dem Ge­sicht zur Wand stehenbleiben. Gleich danach wurde sein Name aufge­rufen. Er wurde zu einer dunklen Zelle in der Unter­etage geführt und dort brutal hinein­ge­stossen.

Zehn Minuten später kamen zwei Wärter und holten ihn. Fiveland glaubte, dass er ver­hört werden sollte. Ihm wurden aber nur Hand­schellen ange­legt. Im Büro wurde ihm be­fohlen, sich auf dem Bauch mit ge­spreiz­ten Armen und Beinen über einen Speise­tisch­stuhl zu legen. Danach stellte Wehus sich mit beiden Beinen auf die Hand­schellen, so dass Fiveland sich nicht bewegen konnte.

Jetzt be­gannen die Gestapo­scher­gen SS-Sturm­schar­führer Hans Lipicki und SS-Ober­schar­­führer Willy Drömer vom Rücken an und abwärts einschliesslich Ober­schen­kel auf ihn loszu­schlagen. Eine Gummi­matte wurde ihm übers Gesicht gehalten. Lipicki be­nutz­te eine 70 cm lange Peit­sche, die mit einer Seiden­kordel um­wickelt war. Das war sein Spe­zialfolter­gerät. Drömer schlug mit einem ge­wöhn­lichen Gummi­knüppel. Die Folter dau­erte eine viertel Stunde.

Danach wurde Fiveland in die Zelle ge­steckt, ohne dass man ihn irgend­etwas fragte.

Fiveland verstand, dass es sich hier­bei nur um eine Auf­locke­rungs­run­de han­delte, um ihm klar zu machen, dass es galt, alles zu gestehen.

Eine Stunde später wurde er wieder ins Büro von Lipicki gebracht. Lipicki erklärte ihm, dass „es sich jetzt zeigen würde, ob er alles erzählen wolle, oder ob wir es aus Ihnen herauspressen müssen. Wir haben Beweise dafür, dass Sie illegale Arbeit betreiben."[4] Fiveland wurde danach ohne Verhör wieder in die Zelle gebracht.

Unaufhörliche Tortur

Nach einer Weile wurde er zum dritten Mal zu Lipicki hinauf gebracht. Der Gestapo­mann empfing ihn mit fol­gen­der Be­mer­kung: - Jetzt haben Sie ja Zeit genug gehabt nach­zu­den­­­ken, so dass Sie gerade­heraus ein­ge­ste­hen können. Fiveland ant­wor­tete, dass er nichts zu er­zählen hätte.

Mit einer viel sagenden Gebärde öffnete Lipicki darauf­hin einen Schrank, der eine Reihe von Folter­werk­zeugen enthielt. So rief er zwei Mann herein. Dies waren Heinze und Drömer. Die sollten damit behilf­lich sein, ihm einen ordent­lichen Umgang Prügel zu ver­ab­rei­chen. Fiveland wurde noch­mals gefragt, ob er etwas aus­zu­sagen hätte. Aber im­mer noch ver­blieb er stumm.

Danach wurde er über den glei­chen Stuhl gelegt wie beim ersten Mal. Lipicki begann mit der Folter, in dem er sich auf die Hand­schellen stellte. Als die beiden Gestapo­leute vom Prügeln erschöpft waren, wurden sie durch zwei neue ersetzt. Lipicki nahm die ganze Zeit daran teil. Etwas später am Tage wieder­holten die Gestapoleute die gleiche Be­hand­­lung. Fiveland wurde über zwei Stühle gelegt und mit Gummi­knüp­peln ge­schla­gen.

Die ganze Zeit hatte Fiveland Hand­schellen an und auf diesen stand Lipicki zwischen durch. Der Schmerz war unerträglich. Ab und zu hiel­ten die Gestapo­leute auf zu schla­gen. Sie fragten Fiveland dann, ob er etwas ein­zu­ge­ste­hen hätte. Trotz dieser extrem harten Be­hand­lung, der er aus­ge­setzt war, gelang es ihm zu schwei­gen.

Fiveland wurde die ganze Zeit hindurch systematisch geprügelt. Die hämmernden Schlä­ge führten dazu, dass die Haut aufriss, was grosse Schmerzen beim Opfer ver­ur­sach­te. In gleich­mässigen Abständen hielten sie mit dem Schlagen auf und fragten ihn, ob er etwas zuzugeben hätte. Aber weil er seinen Peinigern immer noch nichts zu er­zäh­len hatte, wurde das Prügeln fortgesetzt.

Sackte leblos zu Boden

Nach dieser Behandlung wurde er mit dem Rücken zur Wand gestellt und musste Knie­beugen mit aus­ge­streck­ten Armen machen; immer noch in Hand­schellen. Wurden die Knie­beugen nicht schnell genug aus­geführt, wurde er mit der Peitsche geschlagen. Nach einiger Zeit war Fiveland zu schwach weitere Kniebeugen zu machen. Dann muss­­­te er mit geraden Beinen mit dem Oberkörper nach vorne gebeugt stehen, so dass der Kopf beinahe die Knie berührte. Zum Schluss verlor er das Gefühl und die Kontrolle über die Beine, und sie brachen unter ihm zu­sam­men. Das führte dazu, dass er wie leb­los auf dem Fuss­boden zu­sam­men­sackte. Sofort sprangen Lipicki und Drömer auf und tra­ten ihn in Gesicht, Rücken und Brust. - Dadurch bekamen sie mich wieder hoch, be­rich­tet Fiveland.

Und wieder musste er mit Knie­beugen anfan­gen. Als er eine gute Weile damit fort­ge­setzt hatte, erhielt er wieder einen bru­talen Umgang Prügel, wie er sie schon vorher erhalten hatte. Danach wurde er in die Zelle zurückgebracht. Drömer, der ihn führte, schlug auf dem Weg nach unten mit der Peitsche auf ihn ein. Bevor er in die Zelle ge­stossen wurde, wurden ihm die Arme mit Hand­schellen auf dem Rücken ge­fes­selt. Fiveland nahm an, dass es, als er wieder in die Zelle kam, ungefähr neun Uhr abends war. Da hatten die Ge­stapo­leute ihn also neun Stunden lang gefoltert.

Drömer gab dem Wach­mann den Befehl, dass Fiveland auf dem Magen liegen sollte. Er sollte nichts anderes als Wasser und Brot be­kom­men.

Schon am Nach­mittag des näch­sten Tages war er wieder oben und erhielt erneut einen Umgang mit Schlägen.

Vollständig erschöpft am Boden

Am dritten Tag um sechs Uhr mor­gens wurde er - ohne etwas zu essen be­kom­men zu haben - wieder ins Büro von Lipicki ge­bracht. Ole Wehus war auch zu­ge­gen. Jetzt be­gann die Folte­rung erst richtig. Die bei­den Gestapo­knechte lösten ein­ander beim Schla­gen des Farsundman­nes ab. Lipicki leitete die Folter damit ein, dass er den wehr­losen Ge­fan­ge­nen mit der fla­chen Hand ins Gesicht und auf die Oh­ren schlug.[5]

Das Ver­hören des Ge­fan­ge­nen wurde jetzt Wehus über­lassen. Mit ge­­wohn­­ter Bruta­lität schlug er Fiveland mit der Faust ins Gesicht bevor die üb­li­chen Folter­­geräte her­vor­­ge­holt wurden. Danach wurde er über einen Stuhl gelegt und so geschlagen wie am Tage zuvor. So ging es wechselweise den ganzen Tag lang mit Schlägen auf dem Stuhl und mit Kniebeugen. Nach einiger Zeit war Fiveland so ermattet, dass er völlig erschöpft auf den Fussboden niedersank.

Um 12 Uhr war eine kleine Pause eingelegt. Er durfte dann unten in der Zelle zwei Brot­schei­ben und einen Krug Was­ser zu sich nehmen. Danach wurde die Folter bis 18 Uhr fort­ge­setzt. Wieder bekam er zwei Schei­ben Brot und etwas Wasser. Danach wurde Fiveland un­un­ter­bro­chen bis 10 Uhr abends geschlagen und hartem Exerzieren unter­worfen. Die Gestapoleute Glomb und Drömer lösten Lipicki und Wehus ab, wenn diese erschöpft waren. Von einem Verhör war keine Rede. Das Einzige, das sie fragten war, ob er etwas zuzugeben hätte. Da er nichts zu erklären hatte, setzten sie ihre Miss­hand­lung fort. - An dem Tag wurde ich nicht bewusstlos, berichtet Fiveland.

Die Folter wurde von Tag zu Tag härter.

„Ach armer Freund"

Am vierten Tag begann die Folterung morgens halb sieben. Die Vorstellung war genau gleich der letzten. Auch die Folterknechte waren die gleichen. Das einzig Neue war, dass Kerner um elf Uhr hereinkam. Fiveland stand da an der Wand und machte Knie­beu­gen. „Ach armer Freund", rief Kerner mit geheucheltem Mitgefühl, als er den Raum betrat. Als ein Beweis seines „Mitgefühls" gab er dem Opfer einen Tritt in den Hintern. Danach forderte der Sipo-Chef mehrere seiner Untergebenen im Arkivet auf, den Wi­der­stand des Ge­fan­ge­nen zu brechen.

Alle Gestapoleute, die sich im Arkivet befanden, mussten jetzt - auf Kommando - der Rei­he nach dem Farsundmann einen Tritt in den Hintern geben, während der mit dem Gesicht zur Wand stand. Danach wurde Fiveland erneut über den Stuhl geworfen und wieder kräftig mit Knüppeln geschlagen. Noch einmal musste er das gleiche Folter­pro­gramm über sich ergehen lassen. Erst um zehn Uhr abends wurde er wieder in seine Zelle gesteckt. Da bekam er die Erlaubnis, sechs Scheiben Brot mit Wasser zu ver­zeh­ren.

Auch an diesem Tag hatte er kein ein­ziges Wort über seine ille­gale Arbeit preis­ge­ge­ben.

Am fünften Tag, einem Sonntag, wurde er um zehn Uhr herauf­geholt. Nur die beiden Fol­ter­knech­te Lipicki und Heinze waren zur Stelle. Der Stuhl stand mitten im Raum. Lipicki machte eine Bewe­gung mit der Hand, die bedeu­tete, dass Fiveland sich mit dem Magen über den Stuhl legen sollte. An diesem Tag schwor sich Fiveland, Wi­der­stand zu leisten. Dies geschah auf diese Weise:

„Ich ging hin zum Stuhl, um mich hinzulegen. Im letzten Augenblick entschloss ich mich anders und richtete mich auf. Lipicki sprang da auf meinen Rücken und wollte mich auf den Stuhl her­un­ter­pres­sen. Dies gelang ihm nicht, und ich machte einige Schritte in den Raum hinein, während Lipicki auf meinem Rücken hing.

Lipicki versuchte unentwegt mir ein Bein zu stellen, aber er war dünn und schwach und brachte es nicht fertig, mich zu Boden zu drücken. Heinze sass nur da und sah zu, ohne einzugreifen. Lipicki rief Heinze zu, dass er zusätzlich vier Mann holen solle. Dann soll­te es ihnen schon gelingen, mich runter zu bekommen. So wurde ich wie­der auf die Zelle ge­bracht."

Um drei Uhr nach­mittags am selben Tag wurde Fiveland zu einem neuen Verhör herauf­ge­holt. Heinze hatte sechs Mann herbei­ge­schafft, so dass die Gestapomeute jetzt aus acht Mann bestand, nämlich Lipicki, Heinze, Wehus, Drömer, Glomb, Petersen, Kerner und wahrscheinlich Willführ. Die Gestapo­leute versuchten zuerst ihm Hand­schellen an den Fussgelenken anzu­legen, was aber missglückte. Sie schnürten dann aber ein Tau­werk von den Füssen bis hoch zu den Knien zusammen und legten Fiveland danach über einen Stuhl mit Armlehnen. Diese waren aber so weit auseinander, dass er die eine Armlehne in seine Leisten­ge­gend bekam. Die andere drückte kräftig auf seine Brust - nahezu oben am Hals.

Als Knebel benutzten sie eines der Taschentücher von Fiveland. Zusätzlich hielt einer der Gestapoknechte eine Gummimatte über seinen Mund.

Mit 110 Kilo auf dem Rücken

Während er in dieser fest­ge­klemm­ten Stellung ver­har­ren musste, sprang Ole Wehus hoch und pla­cierte sich auf dem Rücken des be­mit­lei­dens­wer­ten Ge­fan­ge­nen. - Ein ganz schön harter Druck, denn Wehus wog 110 kg, be­rich­tete Fiveland. Gleich­zeitig wur­de eine Waden­klemme um das eine Bein herum fest an­ge­schraubt. Danach began­nen zwei Mann mit aller Macht mit Gummi­knüp­peln auf ihn los­zu­schla­gen. Während die­ser Miss­­hand­­lung sass Wehus auf dem Rücken des hilflosen Opfers und hoppste, um die Qual zu verstärken, hoch und runter. Zum Schluss brach der Stuhl zu­sam­men und ging kaputt. Fiveland verlor das Be­wusst­sein, wahr­schein­lich weil er beim Fall auf den Fuss­boden Wehus über sich be­kom­men hatte.

Als Fiveland wieder zu sich kam, stan­den die Ge­stapo­leute in einem Ring um ihn her­um; jeder mit einer Pistole in der Hand. Lipicki stand da und lieb­koste seine Pistole. Dann sagte er zu Fiveland: „Dies kommt Ihnen wohl ein biss­chen komisch vor." Fiveland be­merk­te, dass einer der Ge­stapo­leute sich an den Hinter­kopf hielt, und dass ein an­de­rer Nasen­bluten hatte.

Einer der Gestapoleute band ihn am Schreibtisch fest. Danach begannen sie, ihm über den ganzen Körper mit Fusstritten zu peinigen. Fiveland gestand in seiner Poli­zei­er­klä­rung nach dem Krieg, dass er von alle dem nicht so viel verspürt hatte, denn er hatte wie­der mal das Be­wusst­sein verloren und spürte nicht, was sie mit ihm machten. Später erin­nerte er sich, dass sie ihn vom Schreib­tisch los­ban­den. Ole Wehus führte ihn in die Zelle zu­rück. Auf dem Weg nach unten trafen sie einen Gestapomann. Dieser fragte Wehus, ob der Gefangene Prügel bekommen hätte. Wehus antwortete bejahend. Der Ge­sta­po­mann sagte da, „davon müsste er noch mehr bekommen."

Bis jetzt hatten die Gestapo­leute nur eine Frage gestellt: - „Was zu erzählen, Fiveland?" Diese Frage wurde nach jeder Miss­hand­lung wie­der­holt.

Wieherte vor Lachen, wenn er umfiel

Am sechsten Tag begannen die Misshandlungen um 6 Uhr 30. Lipicki, Wehus, Kerner und Drömer nahmen teil. Die Behandlung war die gleiche wie am Tag zuvor, abgesehen davon, dass der Schraubstock nicht zur Anwendung kam. Ole Wehus wurde wegen sei­nes grossen Gewichts während der Misshandlung wiederum dazu benutzt, auf dem Rücken des Opfers zu sitzen. Fiveland bekam mitten am Tag die Erlaubnis, in der Zelle zwei Scheiben Brot zu essen. So wurde er wieder hoch geholt für noch eine Be­hand­lung.

Lipicki und Kerner fingen an zu fragen, wo er sich an einem be­stimm­ten Zeit­punkt Ende Sep­tem­ber 1943 auf­ge­hal­ten hatte. Gleich­zeitig mach­ten sie darauf auf­merk­sam, dass sie siche­re Be­weise hätten, dass er an ille­galer Ar­beit be­tei­ligt ge­we­sen war. Sie wüss­ten nämlich genau, an was wie einer Art Arbeit er be­tei­ligt gewe­sen war. Sie fragten auch da­nach, an wel­cher Orga­ni­sa­tion er be­tei­ligt war.

An diesem Tag wurde Fiveland ausser­dem ge­treten nach­dem er in Ohn­macht gefallen war. Zwischen­durch erhielt er auch Schläge direkt ins Ge­sicht. Zusätz­lich zerrten die Gestapo­leute ihm an den Haaren. Sie wie­her­ten vor Lachen, wenn er während der Fol­ter umfiel.

Die Folte­rungen wurden erst spät abends ab­ge­schlos­sen.

Am siebten Tag liessen sie ihn bis acht Uhr mor­gens in Ruhe. Da kam Wehus und holte ihn. Den ganzen Tag lang wech­sel­ten sie zwischen Verhör, Knie­beu­gen und Prü­gel. Er entging immer­hin den „Schwer­ge­wicht­ler" Wehus auf sei­nem Rücken während der Miss­hand­lun­gen. Kerner schlug ihn mit der Peitsche von Lipicki über den ganzen Körper, in die Genital­ge­gend und über den Nacken. Drömer ver­setzte ihm sogar Tritte in den Ge­ni­tal­be­reich.

Die Misshandlung hörte erst gegen zehn Uhr abends auf.

Würde keine weiteren acht Tage überleben

Der achte Tag war ziemlich gleich dem siebten. Die einzige Ver­än­de­rung war, dass er dies­­mal sowohl Hände als auch Beine hinter dem Rücken ge­fes­selt bekam, so dass er auf dem Bauch liegend wie ein Schau­kel­pferd hin und her wippen konnte. Wehus und Drömer trugen ihn runter in die Zelle und liessen ihn wie einen Sack zu Boden fallen. Er war immer noch ge­fes­selt. In dieser qual­vollen Stel­lung blieb er die ganze Nacht über lie­gen. Seine Wasser- und Brot­ration bekam er nicht.

Am neun­ten Tag wurde er um halb sieben von Drömer geholt. Da musste er zu­se­hen, wie die Gestapo­leute Früh­stück assen. So lies­sen sie ihn bis acht Uhr abends in Ruhe. Den ganzen Tag über musste er im Büro von Gestapo­mann Ulitzka ste­hen. Um acht Uhr er­schien Wehus in dem Büro. Er war in Folge mit Kerner, Lipicki, Glomb und Drömer. Kerner sag­te zu Fiveland, dass wenn er nicht sofort mit einem Ge­ständ­nis aufwarte, würde er keine wei­teren acht Tage über­leben.

So viel Schlä­ge würde er näm­lich bekom­men.

In den fol­gen­den Stun­den wurde Fiveland ge­nau­so brutal ge­fol­tert wie an den Tagen zuvor. Danach wurde er in die Zelle zurück­ge­bracht. Nach einer Weile wurde er wieder raus­ge­holt. Da frag­ten sie ihn, wo er an einem be­stimm­ten Abend gewesen war. Da es wieder nicht gelang etwas aus ihm heraus­zu­be­kom­men, wurde er er­neut miss­han­delt. Erst weit über Mitter­nacht hinaus wur­den seine Arme und Beine zu­sam­men­ge­bun­den. Wieder waren es Wehus und Drömer, die ihn in die Zelle zurück­brach­ten. Auf gleiche Weise wie vorher lies­sen sie ihn aus drei viertel Meter Höhe auf den Zellen­boden fallen.

Missglückter Selbstmordversuch

Am zehnten Tag begannen die Misshandlungen auch morgens um halb sieben. An die­sem Tage war Wehus mit von der Partie. Nachdem Fiveland bewusstlos geschlagen wor­den war, wurde er getreten, um ihn wieder auf die Beine zu kriegen. Er hatte aber kei­ne Kraft mehr, sich zu erheben. Seine Beine wurden daraufhin auf dem Rücken ge­fes­selt, und er wurde zum Schreibtisch hin geschleudert.

Jetzt banden die Gestaposchergen seinen Kopf an einem Bein des Schreibtisches fest  während sein Körper auf die andere Seite hinübergedrückt wurde. Dies verursachte ei­nen fürchterlichen Druck auf die Halswirbel. Es war ein Wunder, dass sie nicht brachen. Danach wurde mit Knüppeln auf seine Fussohlen geschlagen, nachdem sie ihm die Schu­he abgestreift hatten.

Als Abschluss der grausamen Peinigungen schlugen sie Fiveland auf die Innenseiten der Oberschenkel und in den Genitalbereich; gleichzeitig benutzten sie den Schraub­stock. Nach dieser Behandlung stellten sie ihn gegen die Wand. Jetzt versuchte er sich das Leben zu nehmen, in dem er sich mit dem Kopf nach vorn auf den Fussboden stürz­te. Dieser Selbstmordversuch gelang nicht. Nachdem sie ihn wieder auf die Beine be­kom­men hatten, versuchte er erneut, sich das Leben zu nehmen; auch diesmal ver­geb­lich.

Ein neues Foltergerät wurde jetzt angewendet: Es war eine Peitsche mit Bleikugeln am Ende. Fiveland war die meiste der Zeit bewusstlos. Jetzt war es ihm egal, was sie mit ihm machten. Erst spät abends hörten die Miss­hand­lun­gen auf. Auch diese Nacht muss­te er mit Händen und Füssen auf dem Rücken zu­sam­men­ge­bun­den ver­bringen.

Der elfte Tag war gleich dem zehnten. Auch an diesem Tag versuchte er mehrere Male, sich das Leben zu nehmen. Es waren die gleichen Henker, die ihn misshandelten. In der Nacht blieb ihm erspart, mit den Beinen ge­bun­den zu liegen. Die Arme waren aber die ganze Zeit über auf dem Rücken ge­fes­selt. Am Tage danach, am zwölf­ten Tag der Fol­ter, war Sonn­tag.

An diesem Tag wurde Fiveland nicht miss­han­delt.

Die Fingerspitzen zerquetschen

Am drei­zehn­ten Tag geschah erstmal wenig. Aber als Kerner Lipicki an­sprach, um den Ge­fan­ge­nen mal wieder heran zu nehmen, sprang Wehus auf und schlug vor, dass sie Fiveland lieber zwingen sollten, seine Hände auf den Tisch zu legen, „um seine Fin­ger­spit­zen zerquetschen zu kön­nen."

Lipicki pro­te­stier­te da­ge­gen, dass Fiveland mehr gefol­tert werden sollte, und Kerner gab nach. Danach blieb Fiveland ver­schont, ab­ge­se­hen davon, dass er immer noch hart lie­gen musste, und die Arme weiter­hin auf dem Rücken ge­fes­selt waren. Kurze Zeit später wurde Fiveland ins Kristian­sand Kreis­ge­fäng­nis über­stellt. Dort bekam er Diph­the­rie und wurde ins Kristian­sand Stadt­kran­­ken­­haus über­führt. Von dort aus gelang es ihm zu flüch­ten.

 

 

Quelle:

Taraldsen, Kristen: Arkivet - Hochburg der Tortur,

Originaltitel:

ARKIVET - torturens höyborg - ISBN 82-993723-4-8

©

Stiftelsen Arkivet, Kristiansand S. - 2003

 

Deutsche Übersetzung: Peter L. K. Praefcke (PP)