”Arkivets” grosses Märtyrertum
Der Bauer Paul Eiken aus dem Dorf mit gleichem Namen in West-Agder hat für immer seinen Namen mit Blutbuchstaben an die Wände des Arkivets geschrieben. Am 1. April 1944 starb er im Kristiansand Gemeindekrankenhaus an Urinvergiftung. Der patriotische, vaterlandsliebende und hochgewachsene Widerstandsmann wurde das erste Todesopfer der Barbarei der Sicherheitspolizei im „Arkivet".
Pål Eiken var ein hoch geachteter und respektierter Mann in Eiken. Bis 1941 war er der Bürgermeister des Dorfes. Mit einem Federstrich wurde er von den neuen Machthabern abgesetzt. Während des Krieges war er ein vertrauter Widerstandsmann. Er war der Bereichschef der Kampfgruppe 3 - in Major Laudals Militärorganisation in Eiken. Während einer Enthüllung in Farsund im Frühjahr 1944 kam die deutsche Sicherheitspolizei auf die Spur, dass Eiken 40 Kommandosoldaten aus England hinauf zu einer Hütte am Sandvatnet in den Hekkfjellet-Bergen in Eiken geholfen hatte.
Er hatte die Gruppe mit Verpflegung versorgt. Ein Teil von ihnen übernachtete in seiner Scheune. Weiter hatte Eiken Waffen und Ausrüstung, die mit Fallschirmen für die Kommandosoldaten von britischen Flugzeugen abgeworfen wurden, entgegen genommen. Die Sicherheitspolizei war sich sicher, dass er wusste, wo das Waffenlager versteckt war.
Dies ist die Erklärung dafür, dass Pål Eiken sofort nachdem er im Arkiv ankam, verschärftem Verhör unterworfen wurde. Er wurde in 10 Tagen mit einer derartigen Brutalität gefoltert, dass er dabei verstarb.
Nachts um ca. Null Uhr am 21. März 1944 verliess eines der Autos der Sicherheitspolizei Kristiansand. Im Auto sassen drei Gestapoleute: Heinze, Schultz und Drömer. Ausserdem folgte ein norwegischer Polizist der Staatspolizei mit. Ungefähr um drei Uhr nachts erreichte das Auto Eiken. Dem Chauffeur wurde befohlen, ca. 15 Meter vor dem Haus, das dicht an der Strasse lag, anzuhalten.
Die vier gingen ins Haus hinein. Ungefähr nach 20 Minuten kamen sie mit einem Mann heraus, der mit den Händen auf dem Rücken gefesselt war. Es war Pål Eiken. Zusammen mit den drei Polizisten wurde er auf dem Rücksitz placiert.
Das Auto hielt vor dem Haus von Dr. Sven Nissen Meyer in Tingvatn an. Alle gingen ins Haus hinein. Das Meiste der Einrichtung lag holterdiepolter, weil dort eine Hausdurchsuchung vorgenommen worden war, nachdem es Dr. Sven Nissen Meyer gelungen war, zu flüchten.
Pål Eiken wurde mitten im Raum auf einen Stuhl gesetzt. Die Gestapoleute machten sich daran, Kaffee zu kochen. Nach ein paar Schlucken, ging Heinze an Eiken heran und sagte: - Sie können alles zugeben; wir wissen alles. Da Eiken erwiderte, dass er nichts zuzugeben hätte, schlug ihm Heinze dreimal mit der flachen Hand ins Gesicht. Die Schläge waren knallhart. Eiken bekam sofort Nasenbluten.
Unmittelbar nachdem Heinze Eiken die Schläge ins Gesicht verpasst hatte, trat ihm der Gestapomann mit seinen hohen Schaftstiefeln brutal auf die Zehen. Die Stiefel hatten kräftige Hackeneisen. Eiken sass während dieser Behandlung ganz ruhig. Nicht eine Miene verzog er; auch sagte er nichts, berichtete der Chauffeur des Gestapoautos im Polizeiverhör nach dem Krieg.
Dann wurde der Chauffeur aus dem Raum geschickt. Er bekam die Anweisung, das Auto klar zu machen. - Wir kommen in 10 Minuten, fügte einer der Gestapoleute hinzu. Der Chauffeur wunderte sich über diesen Bescheid. Er fuhr ein Auto mit Benzinmotor. Es war also nicht notwendig, dieses klar zu machen. Er kam zu dem Schluss, dass die Gestapoleute mit Tortur anfangen wollten. Sie wünschten offenbar keine Augenzeugen.
Die Misshandlung dauerte nicht nur 10 Minuten. Es wahrte eine ganze dreiviertel Stunde bevor die Gestapoleute wieder herauskamen. Da schleppten sie Pål Eiken zwischen sich heraus.
Mit abgebrochenem Stuhlbein
Das, was im Haus geschehen war, kann ziemlich gut von Augenzeugen beschrieben werden. Der norwegische Staatspolizeimann Frithjof Hugo Wathne, der an der Aktion teilnahm, erklärte später, dass er sah wie Heinze begann auf Eiken mit einem Gummiknüppel loszuschlagen. Der Gefangene lag da über einem Klavierhocker. Zu Anfang wurde das Opfer von Drömer festgehalten, während Heinze schlug.
Wahrscheinlich aufgrund der grossen Kraft, die in die Schläge gelegt wurde, brach das eine Bein des Klavierhockers.
So wurde Eiken über einen Lehnstuhl gelegt. Von Drömer wurde er mit dem abgebrochenem Hockerbein durchgeprügelt, während Heinze weiter mit dem Gummiknüppel schlug. Nach einer Weile übernahm Schulz den Knüppel und begann, zusammen mit Drömer, zu prügeln.
Nachdem er diese Brutalität eine Viertelstunde mit angesehen hatte, vermochte der Staatspolizist diese grauenvolle Misshandlung nicht mehr anzusehen. Er begab sich in einen Nebenraum. Gleichzeitig hörten die Gestapoleute auf zu schlagen. Der Mann der Staatspolizei sah, dass Pål Eiken versuchte, sich in Sitzstellung aufzurichten. Drömer machte da einen harten Griff in das Haar von Eiken und zog ihn brutal hoch. Danach konnte der Staatspolizist nicht mehr sehen, ob Eiken weiter geschlagen wurde.
Pål Eiken gab während der harten Behandlung keinen Laut von sich.
Nach dieser „Weichmacher-Runde" im Haus des Doktors wurde Eiken mit seinen Handschellen aus dem Haus herausgeschleppt. Es war deutlich zu sehen, wie hart er misshandelt worden war. Er wurde in das Auto hineingestossen. So wurde der Gefangene ins Arkiv gefahren.
Während der Autofahrt lag Eiken auf dem Boden des Autos, während die Gestapoleute seinen Körper mit ihren Stiefeln runterdrückten.
Die fürchterlichste Behandlung
In den folgenden Tagen wurde Pål Eiken den meist bestialischen Formen von Tortur, die die Gestapoleute anwendeten, ausgesetzt. In der Zeit, wo er sich in der speziell eingerichteten „Dunkelkammer" aufhielt, wurde er ganze dreimal von Kerner verhört. Das geschah mit zwei bis drei Tagen Zwischenraum. Trotz der fürchterlichen Behandlung, vermochte Pål Eiken zu widerstehen. Mit beeindruckender Willensstärke hielt er darüber hinaus dicht über seine illegalen Tätigkeiten.
Auch kein Wort über seine Mitarbeiter verriet er.
Ein Wachmann im Arkiv sah Pål Eiken nach dem Torturverhör. Es war ein fürchterlicher Anblick. Der Gefangene war sehr stark auf Rücken und Hintern misshandelt. Eiken vermochte nicht Wasser abzulassen. Ausserdem klagte er über Schmerzen im Rücken.
Der Wachmann bat darum, dass ein Arzt für Eiken geholt werden müsse, weil er in so schlechter Verfassung war. - Es kam ein Arzt. Der sah ihm in den Hals und erklärte, dass er gesund sei. Der Wachmann verstand aber, dass es nicht der Hals von Eiken war, der untersucht werden musste. Er drängelte deshalb Ulitzka, den er als einen relativ humanen Mann ansah, ob Eiken nicht unter kundige ärztliche Behandlung gebracht werden könnte.
Zum Schluss wurde ein Arzt geholt.
In diesem Fall hatten die Gestapoleute offenbar die Wirkungen der grausamen Behandlung unterschätzt. Am 31. März 1944 um 16 Uhr wurde Pål Eiken in das kommunale Krankenhaus in Kristiansand überführt. Er wurde in das Zimmer Nr. 21 verlegt. Am Tage darauf, am 1. April, verschied er aufgrund der groben Misshandlungen, die ihm beigefügt worden waren.
Pål Eiken war die Verkörperung des norwegischen Widerstandswillens gegenüber der deutschen Terrorherrschaft. Sein Mut und seine Stärke gegenüber allen rücksichtslosen Übergriffen und trotzdem nichts zu verraten, wurde zu einem der am meisten leuchtenden Beispiele von idealistischen Opfern, die einige Patrioten willig waren für die teure Sache, für die sie kämpften, zu geben.
Kerner gab den Befehl zur Tortur
Es gab so zu sagen keine direkten Augenzeugen für die groben Torturverhöre, die Pål Eiken im Arkiv über sich ergehen lassen musste. Die Anklagebehörde hatte deshalb eine schwierige Aufgabe vor sich, zu beweisen, was eigentlich geschah. Die beteiligten Gestapoleute waren zu sehr geringem Nutzen. In Gefahr, für vorsätzlichen Mord angeklagt zu werden, wählten sie die Schuld auf Heinze und Petersen zu überwälzen. Beide waren zu diesem Zeitpunkt schon tot.
Durch eine Reihe von Augenzeugenerklärungen wurde aber eine starke und überzeugende Beweiskette aufgebaut.
- Kerner selbst gab den Befehl zur Tortur und genehmigte die Behandlung, der Pål Eiken ausgesetzt wurde; darauf wies Staatsadvokat Otto Hafting in seinem Eröffnungsvortrag im Gerichtsverfahren gegen die Arkiv-Gestapoleute nach dem Krieg hin.
So kam Zeuge auf Zeuge hervor und gab seine Erklärung ab. Alle meinten, dass Pål Eiken im Arkiv eine besonders unmenschliche Behandlung erlitten haben musste. Aus medizinischem Fachkreis wurde festgestellt, dass Eiken ein aussergewöhnlich gesunder und kräftiger Mann war. Dr. Olaf Håberg, Bezirksarzt in Hägebostad, kannte den Verstorbenen sehr gut. Er meinte, Pål Eiken hatte eine Physik und Konstitution nach der man lange suchen müsste, um seinesgleichen zu finden. Sein Körper vereinte gute Physik, aussergewöhnliche, starke Willenskraft und seelische Stärke.
Dr. Håberg sah es als ganz ausgeschlossen an, dass er in irgendeiner Weise krank gewesen sein konnte.
Doktor Sven Nissen Meyer in Eiken kannte Pål Eiken auch gut. Er bestätigte völlig was Dr. Håberg erklärt hatte. Nissen Meyer erklärte, dass er noch fünf Tage vor der Verhaftung mit Pål Eiken gesprochen hatte. Nichts deutete darauf hin, dass er krank war.
Nierenfunktion nicht in Ordnung
Der Arzt Dankert Frimanlund behandelte Pål Eiken in der letzten Nacht bevor er im kommunalen Krankenhaus in Kristiansand starb. Der deutsche Arzt, der den Patienten ins Krankenhaus verlegt hatte, hatte mit Zynismus und Verachtung, wie es bei den Deutschen damals üblich war, Asthma als Diagnose angegeben.
Aufgrund der groben Misshandlung, die Pål Eiken erleben musste, wurde die Nierenfunktion in Mitleidenschaft gezogen mit nachfolgender Urinvergiftung. Ein paar Stunden bevor er starb, war er bei Bewusstsein. Da erzählte er Dr. Frimanlund, dass er anhaltender Tortur unterworfen worden war. Während der Verhöre war er von zwei deutschen Gestapoleuten mit Knüppeln über Rücken und Gesäss geschlagen worden. Darüber hinaus hatte er von den Deutschen Fusstritte in Hintern, Magen und Geschlechtsorgane bekommen.
Nach Untersuchungen stellte der Arzt fest, dass der Körper deutliche Spuren nach Misshandlungen aufwies. Von einem Stück oben am Rücken bis nach unten, als auch am Magen und Geschlechtsorganen, war die Haut blauschwarz mit einigen oberflächlichen Schürfwunden.
Die Schlussfolgerung des Arztes war, dass Pål Eiken als Folge davon starb, dass die Nierenfunktion so stark herabgesetzt wurde, dass dabei eine hochgradige Urinvergiftung eintrat.
Nur der „kleine Dicke" genannt
Die Krankenschwestern Henny Stangeland und Johanne Lyngö pflegten Pål Eiken seit er in das kommunale Krankenhaus in Kristiansand eingeliefert wurde. Sie wechselten seine Kleidung und verlegten ihn in ein Bett. Er hatte keine Unterwäsche an und trug nur eine dünne Hose. – Es war immerhin März, und der Mann fror, erklärte Henny Stangeland in ihrer Polizeiaussage. Es wurde festgestellt, dass Eiken sehr stark mitgenommen war und sich in einem sehr schlechten Zustand befand. An mehreren Stellen an der Stirn waren blaue Flecken, die deutlich von Schlägen herrührten.
- Wir sahen, dass sein ganzer Körper vom Kreuzrücken und hinunter bis zu den Beinen blauschwarz war. Es war nicht nur hier und da ein Fleck, der diese Farbe hatte, sondern zusammenhängend über die ganze Rückenpartie. Ganz unten an den Beinen - etwas über den Enkeln - hatte er deutliche Merkmale von Fussfesseln oder -eisen. An den Handgelenken hatte er Wunden nach Handschellen. Diese waren überschmiert mit einer braunen Salbe, die rostig aussah. Ausserdem waren die Hände und Handgelenke fürchterlich angeschwollen. Seine Augen waren rot und versprengt, berichtet Henny Stangeland.
Die beiden Krankenschwestern und Andere, die zugegen waren, hörten von Pål Eiken, dass mehrere der Gestapoleute dabei waren und ihn Tortur aussetzten. Einen dieser Plagegeister beschrieb er näher, unter anderem damit, dass er ihn „den kleinen Dicken" nannte. Ein bestimmter Name wurde nicht genannt. Die, die zugegen waren und diese Beschreibung hörten, waren allerdings nicht im Zweifel darüber, dass Eiken den Staatspolizeiwachmann Ole Wehus meinte. Sowohl gegenüber der Polizei und im Gericht zweiter Instanz bestritt Wehus hartnäckig, dass er an der Tortur von Eiken im Arkiv teilgenommen hatte. Das war ja nicht so überraschend. Die Pål Eiken-Sache war die mit Abstand gefährlichste, an die sein Name angeknüpft werden konnte, abgesehen von dem Anklagepunkt des vorsätzlichen Totschlags.
Für die Anklagebehörde war es wichtig, alle Beziehungen von Pål Eikens Misshandlung und Tod aufzuklären. Besonders wichtig war es, die Verantwortung für den Todesfall klarzulegen. Im Gericht zweiter Instanz gegen Staatspolizeiwachmann Ole Wehus 1946 wurde gerade dieser Punkt eine ernsthafte Angelegenheit.
Keiner war so brutal wie Wehus
In seiner Zeugenaussage behauptete einer der norwegischen Gefängniswärter, dass Pål Eiken erzählt hatte, dass Wehus der Schlimmste bei den Misshandlungen war. Er hatte darüber hinaus die Deutschen Heinze und Lipicki genannt, aber keiner war so brutal aufgetreten wie Wehus.
Der Gefängniswärter erklärte weiter, dass er sich erinnere, dass Wehus einmal Eiken zum Verhör geholt hatte. Danach wurde der Gefangene in die Zelle zurückgebracht. Er befand sich da offenbar in einer so elendigen Verfassung, dass er nahezu bewusstlos auf dem Zellenboden zusammenbrach nachdem der Staatspolizeimann ihn losgelassen hatte. Bei dieser Gelegenheit ging Wehus mit aufgekrämpelten Hemdärmeln. Er war ohne Jacke und Weste. Ihm war so warm, dass der Schweiss an ihm herunterlief. Der Gefängniswärter war nicht einen Augenblick im Zweifel darüber, dass Wehus direkt aus der Torturkammer gekommen war, nachdem er an der Misshandlung von Eiken teilgenommen hatte.
Ein anderer wichtiger Zeuge war der Sipo-Chef, SS-Hauptsturmführer/Kriminalkommissar, Rudolf Kerner selbst. Er meinte bestimmt, dass Wehus an der Tortur von Pål Eiken teilgenommen hatte. Er basierte diese Annahme auf zwei Umstände: Zum ersten konnte Heinze kein Norwegisch und aus diesem Grunde musste ein Norweger während der Verhöre Dolmetscher sein. Zum zweiten, dass Wehus als fester Mitarbeiter von Heinze in der Farsund-Kvås-Sache beordert war.
Der Staatsadvokat Otto Hafting wies darauf hin, dass es unzweifelhaft war, dass Wehus bei der Ankunft von Pål Eiken frühmorgens am 21. März im Arkiv zugegen war. Es waren Heinze und Wehus, die ihn hinunter in die Zelle führten. Es waren diese beiden, die seine Arme und Beine hinter dem Rücken fesselten. Die Fesseln waren so stramm gezurrt, dass der Gefangene liegenblieb und wimmerte. Dazu kam der Umstand, dass die Handschellen, die die Sipo benutzte, von einer solchen Beschaffenheit waren, dass sie sich bei der geringsten Bewegung immer strammer zusammenschnürten. Ausserdem hatte Pål Eiken einige Wendungen der Fesseln auch um den Hals gewickelt bekommen.
Beide waren sichtbar angetrunken
Viel deutete darauf hin, dass Heinze und Wehus an diesem Morgen beide gemeinsam Eiken misshandelt hatten. Er wurde also sofort nach Ankunft im Arkiv verschärftem Verhör unterzogen; zuzüglich zu dem, was er vor der Abfahrt aus seinem Heimatdorf an Peinigungen über sich ergehen lassen musste. Wehus und Heinze waren deutlich von Alkohol beeinflusst, als sie an diesem Morgen den Gefangenen in die Zelle führten.
Nach dem Krieg wurde der Staatspolizeimann Ole Wehus angeklagt, an der Tortur von Pål Eiken beteiligt gewesen zu sein. Die Anklagebehörde fand keinen Grund, ihn des vorsätzlichen Totschlags anzuklagen. Es ist wohl nicht mehr als verständlich, dass Wehus versuchte, seine Teilnahme an dieser Sache in beträchtlichem Grad zu verschönern. Das Merkwürdige war, dass er, während er ziemlich eingehende und genaue Erklärungen über mehr „unschuldige" Beispiele von Misshandlung abgeben konnte, so war sein Erinnerungsvermögen in bemerkenswerter Weise schwach, wenn es sich um ernsthaftere Torturfälle drehte.
Wehus erklärte anfangs, dass es ein Zufall war, dass er nicht an der Verhaftung von Wehus beteiligt war. Die Erklärung dafür war, dass im letzten Augenblick ein Gegenbescheid eingegangen war.
- Das erste Mal, das ich mich an etwas über Pål Eiken erinnern kann, war an einem Tag als ich runter musste und einige Arrestanten zum Verhör holen sollte. Ich bekam da Bescheid, dass es Pål Eiken schlecht gehe. Ich betrat seine Zelle. Drömer hatte die Verantwortung. Ich fragte ihn, ob er Eiken geschlagen hätte. Er antwortete Nein. Danach wechselten wir einige Sätze über Eiken. Drömer sagte, es müsse sich um ein Glas Wasser gehandelt haben, warum er krank geworden sei.
Der Gerichtsvorsitzende in zweiter Instanz Johs. Norem: - War es gemeinhin immer so solche Rücksicht auf Gefangene zu nehmen, wenn sie krank waren? Wehus: - Es war keiner der wagte Ja zu sagen, dass sie krank waren! Pål Eiken konnte sein Essen nicht behalten. So wurde ihm Diät vorgeschrieben. Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen. Später einmal, als ich in die Torturkammer kam, sah ich, dass Eiken über einen Stuhl lag. Drei Gestapoleute standen um ihn herum.
Ich fragte, wie es ging. Heinze beklagte sich darüber, dass Eiken keine Namen nennen wolle. Er bat mich, ihn zu fragen. Und das tat ich. Da schleuderte Eiken die Frage heraus: - Ihr schlagt mich. Ist das richtig gegenüber einem gläubigen Menschen?
- Ich fragte, ob er ein gläubiger Christ sei. Er antwortete bejahend. So sagt Heinze: - Es nützt nicht mit ihm weiterzumachen. Danach führte ich Eiken hinauf in die Zelle. Unterwegs ermahnte ich ihn, die Wahrheit zu sagen - „die geben nie auf". Er aber wirkte stumpfsinnig und apathisch und antwortete nicht. Das war das zweite Mal.
In einem sehr leidenden Zustand
Das dritte Mal kam Petersen zu Lipicki herein und sagte: - Kannst du, Ole, nicht rein gehen und mit Eiken sprechen. Es kam dazu, dass ich es tat. Eiken war da stark mitgenommen. Ich fand ihn in einem sehr leidenden Zustand. Ich fragte ihn, ob er etwas zu sagen hätte. Er antwortete ungefähr wortwörtlich: „Es ist richtig, dass ich den 40 geholfen habe. Es ist richtig, dass ich ihnen Verpflegung gab. Ich tat es, weil Gott sagte, ich solle es tun. Ich kann aber keine Namen nennen."
Ich sagte, er sollte in ein norwegisches Krankenhaus eingeliefert werden und alles würde sich für ihn zum Besten wenden.
Etwas später hörte ich Kerner sagen, dass er an akuter Nierenvergiftung gestorben sei, erklärte Ole Wehus im Gericht.

